Tagebuch des DMT 2019

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Tag sechs, Gaia
Endlich habe ich Zeit und Möglichkeit, meine Aufzeichnungen fortzuführen.
Es ist der sechste Abend seit unserem Aufbruch in Gwîndôr. Wir haben mittlerweile Gaia erreicht und sitzen in einem kleinen Gasthof an einem Ort namens „Teutoburger Wald“ in Deutschland. Die eigentlichen Besitzer des kleinen Hofes, der den Namen „Schnathaus“ trägt, haben uns ihre Gebäude großzügig überlassen und so haben wir uns für den Augenblick hier eingerichtet.
Auch wenn eine längere Pause sicher nicht im Sinne der verschwundenen Kinder ist, so haben wir diese bitter nötig. Wir haben bisher nur wenige Spuren gefunden und die Moral unserer Gemeinschaft sinkt spürbar. Doch der Fund dieses Gasthofes scheint die Stimmung zumindest für den Augenblick gehoben zu haben. Einige fingen vor Freude sogar zu tanzen an. Ein Tanz, den Luna als „Irish Dance“ bezeichnete.
Die ausgelassene Stimmung und die aus einer magischen Box kommende Musik verleiteten nach kurzem Zögern auch den Rest dazu, sich diesem Tanz anzuschließen.
Tatsächlich ließ er uns alle beschwingt und ausgelassen zurück und so kehrten wir ins Gasthaus ein, um den Abend bei Bier und Rum ausklingen zu lassen.
Wie gut, dass uns Dairina, eine Wirtin aus dem Zwerg’n’Bräu, begleitet, denn von den eigentlichen Besitzern des Gasthofes ist keine Spur zu sehen, doch wenigstens sind die Regale gut gefüllt.
Während ich diesen Eintrag schreibe, sitzen wir noch immer im Schankraum. Es ist spät, doch die wenigsten scheinen sich schlafen legen zu wollen.
Hinter mir spielen der Halbdrache Adai, Luna von der ASgaB und Kaito, der Rabe in Coralynes Diensten, um Draken. Am anderen Ende des Raumes vernehme ich Bruchstücke von Gesprächen, während mir gegenüber ein junger Mann namens Merlin auf einer faszinierenden, bunt leuchtenden Scheibe herumtippt.
Alles in allem empfinde ich die Gruppe als sehr interessant. Neben den bereits erwähnten Personen haben sich dieser Exkursion auch Noxzaal, ein Halbgoblin, eine mir nicht namentlich bekannte Goblinfrau und Lunas Rudel angeschlossen. Mit Timothy und Josephine begleiten uns auch zwei Vampire, doch bisher scheint dies noch kein Problem darzustellen.
Auch Tejad begleitet uns, was ich sehr begrüße, denn er soll ein fähiger Heiler sein, der sicher mehr auszurichten vermag als ich. Zusätzlich konnte ich einen Zwerg, Gratho Zentner, ein seltsames Geschöpf mit dem Namen „Noah“ und Belfee ausmachen.
Zumindest haben wir einige erfahrene Kämpfer und einen Heiler dabei, ich bin also recht zuversichtlicher Dinge, was dieses Unterfangen angeht, auch wenn ich mir Sorgen um die Kinder mache.
Ich hoffe wirklich, dass wir morgen neue Spuren finden werden.


Tag sieben, Gaia
Tatsächlich war uns das Schicksal hold, zumindest zu einem Teil. Wir haben neue Spuren finden können, die uns zu einer nahen Feuerstelle geführt haben. Dort fanden sich drei Goblins, die freudig um einen großen Kessel und zwei Kinder tanzten.
Danach brach ein ziemliches Chaos aus, besser lässt es sich wohl nicht beschreiben. Ich selbst habe
anfangs noch versucht, Tejad und einigen anderen zu helfen, die Goblins einzufangen und zu
befragen, habe jedoch schnell wieder davon abgesehen und mich stattdessen zu Merlin und
Josephine gesellt, um der Goblinjagd lediglich zuzusehen.
Leider wurde es im Anschluss nicht weniger chaotisch, denn nicht nur musste man auf die Kinder und
die Goblins aufpassen und nach Möglichkeit die Goblins zusätzlich befragen, einem der Werwölfe
fielen nun auch noch die Vampire auf. Dadurch erhielten wir als Vampire und Ghule die gesammelte
Aufmerksamkeit des Werwolfrudels, was es für uns deutlich erschwerte, der Befragung der Goblins
zu folgen. Es war jedoch offensichtlich, dass sie nicht gut lief, was schließlich sogar die Werwölfe dazu
veranlasste, uns zu ignorieren und zu versuchen, die gewünschten Antworten mit Gewalt zu
bekommen. Inmitten dieser gesamten, chaotischen Befragung fielen wohl tatsächlich einige nützliche
Hinweise, die ich jedoch am Ende dieses Eintrages zusammenfassen werde.
Während die Werwölfe die Goblins befragten, gelangte eines der beiden Kinder an Josephine, Merlin
und mich, doch bedauerlicherweise nicht für lange, denn kaum hatte einer der Werwölfe das Kind in
unserer Nähe gesehen, wurde es uns bereits wieder entrissen. Dennoch schafften wir es, zumindest
ein paar Dinge über das Mädchen zu erfahren, doch auch diese Informationen werden sich am Ende
des Eintrages finden lassen.
Die Werwölfe verloren schließlich die Geduld an ihrer Befragung, weshalb Luna auf die glorreiche
Idee kam, die Goblins mit Alkohol zu weiteren Antworten zu verlocken. Das Mädchen wurde
mitgenommen, während die beiden Vampire, Merlin und ich vor der Tür des Gasthauses blieben, um
dem Platzmangel und der offenen Feindseligkeit der Werwölfe zu entgehen.
Dort unternahm ich den Versuch, die Runen zu den Goblins zu befragen, doch die Runen waren nicht
aussagekräftig genug, um eine Antwort erkennen zu lassen. Möglicherweise lag dies auch an
Josephine und Eliah, eine der Werwölfe, die meine Konzentration störten. Josephine starrte mich
unentwegt an, während Eliah über mir pendelte und somit vielleicht auch die Magie der Runen
störte.
Nun, da ich alles in meiner Macht stehende getan habe, habe ich zumindest Zeit, diesen Eintrag auf
dem kalten Stein vor dem Gasthof zu schreiben. Ich kann die Stimmen von drinnen hören, auch dort
scheinen sie nicht weiter zu kommen. Die Goblins sind eingeschlafen, ohne Antworten zu liefern, wie
es nicht anders zu erwarten war. Dennoch werde ich nun versuchen, die bisherigen Informationen
der Goblins zusammenzutragen.
Die drei Goblins stecken auch hinter den übrigen Entführungen, allerdings gehen sie bewusst vor. Sie
hatten eine Art Rezept bei sich, das wohl besagt, dass sie mehr Macht erlangen, wenn sie in einer
bestimmten Mondphase Leber und Herz der Kinder essen.
Stärker werden möchten sie, da sie nicht mehr den Frauen ihres Stammes dienen wollen und lieber
ein selbstbestimmtes Leben führen möchten. Auf die Frage, von wem sie das Rezept erhalten haben,
fiel offenbar mehrmals der Name „Colophonius Regenschein“, allerdings wurde nicht deutlich, wie
genau er in diese Sache verwickelt ist.
Das Mädchen, mit dem ich reden konnte, hört auf den Namen Lysanna. Sie kommt aus dem
Waisenhaus neben Dol Morgul. Sie hat dort wohl niemanden und vor allem niemanden, der sie
vermisst. Interessanter und vermutlich auch wichtiger ist allerdings, dass sie offenbar magisch begabt
ist und das Zweite Gesicht. Zumindest hat sie Andeutungen gemacht, die mich dies vermuten lassen.
Das dürfte auch erklären, weshalb die Goblins sie ausgesucht haben. Von wem sonst, wenn nicht von
einem Magier, kann man sich Stärke erhoffen?


Tag acht, Gaia
Der achte Tag verlief regelrecht ereignislos. Noxzaal nahm die verkaterten Goblins mit, um ihnen „die
Bibliothek“ zu zeigen, um dort nach Legenden zu suchen, die eine andere Art von Machtgewinn
zeigen. Da wir hier allerdings keine Bibliothek besitzen, müssen wir uns rasch einen Plan einfallen
lassen, um die Goblins auf eine andere Spur zu bringen. Des Abends wurde im Gasthof heftig darüber
debattiert. Ich saß unter einem geöffneten Fenster und konnte somit alles anhören.
Wie nicht viel anders zu erwarten war, stimmten einige der Wölfe sofort dafür, die Goblins zu töten
mit der Begründung, dass sie auch Welpen umgebracht hätten. Dieser Vorschlag erhielt, unter
anderem von Tejad, heftige Gegenstimmen und nach einem ermüdenden Hin und Her kam der
Vorschlag auf, die Goblins mit einer selbstgeschriebenen Legende zu überzeugen, keine Kinder mehr
zu töten. Das Problem daran allerdings ist, dass die Goblins nicht lesen können und sie offenbar sehr
gut darin sind, die eigene Intention eines Zeichners herauszufinden, weshalb eine gezeichnete
Legende ebenfalls keinen Nutzen bringt, denn jene, die gut genug zeichnen könnten, wünschen den
Tod der Goblins.
Eine wirkliche Einigung konnte nicht gefunden werden und die Diskussion wurde immer hitziger, bis
Tejad schließlich aus dem Gasthof gestürmt und in die Nacht verschwunden ist. Bedauerlicherweise
hat er dadurch auch verpasst, wie Luna ihre Rudelmitglieder zumindest dazu bewegen konnte, die
Goblins nicht sofort zu töten. Es scheint zwar nicht, dass eine wirkliche Einigung gefunden wurde,
aber nun steht zumindest auch im Raum, die Goblins in Dol Morgul aufzunehmen.


Tag neun, Gaia
Der Morgen begann mit einem großen Schreck. Aufgebracht erzählte Luna, dass die Goblins mit den
Kindern und Noxzaal verschwunden sind – wahrscheinlich, um sie doch wieder zu kochen. Ohne
große Umschweife machten wir uns an die Verfolgung durch das unwegsame Gelände des Waldes.
Zu unserem Glück haben die Goblins ziemlich deutliche Spuren hinterlassen, denen wir ohne größere
Probleme folgen konnten. Dennoch dauerte es einen Großteil des Tages, bis wir zu den Goblins
aufschließen konnten, wo wir leider zu spät eintrafen.
Zwei Kinder waren von den Goblins bereits gegessen worden, während Lysanna noch in einem
Kochtopf saß und köchelte. Diesmal waren es jedoch vier Goblins, die um den Kessel sprangen, denn
die Goblinfrau aus unserer Gruppe stellte sich als Mann heraus, der ebenfalls Teil dieser
Entführungsgruppe war.
Noxzaal und Belfee, dagegen nahmen nicht an diesem Ritual teil, sondern waren etwas Abseits an
einen Baum gefesselt worden.
In dem darauffolgenden Scharmützel verlor ich beinahe die Übersicht.
Am Ende jedoch lagen die vier Goblins tot am Boden, Noxzaal und Belfee sowie Lysanna waren
befreit. Leider gab es auch einen Verlust zu betrauern. Rakha wurde in dem Kampf getötet, doch da
sie ein Teil des Rudels war, muss ich zugeben, dass sich mein Bedauern in Grenzen hält.
Interessanter war in diesem Moment tatsächlich Lysanna, die offenbar keinerlei Schäden durch das
heiße Wasser davongetragen hatte. Wie sich herausstellte, ist sie kein einfaches Mädchen, sondern
ein Dämon, der seine Präsenz offenbar sehr gut verstecken kann, da keiner der Werwölfe etwas
geahnt hat.
Auch wenn ich mich ein wenig wundere, weshalb sich ein Dämon freiwillig entführen lässt, scheint es
nicht so, als würde diese Sache großer Nachforschung bedürfen. Die Beweggründe eines Dämonen zu
verstehen ist wohl kaum möglich. Möglicherweise hatte sie schlicht Spaß an den, aus ihrer Sicht,
stümperhaften Versuchen der Goblins?
Was es auch sein mag, wir sind mit den toten Goblins und zumindest einem geretteten Kinderdämon
auf dem Rückweg zum Gasthof, wo vermutlich ein großes Fest stattfinden wird. Immerhin konnten
wir einen kleinen Sieg erringen und durch den Tod der Goblins sollten wir auch keine weiteren
Kindesentführungen zu befürchten haben.
Ich gehe davon aus, dass wir noch einige Tage in Gaia verbringen, um uns von der Suche nach den
Goblins zu erholen, ehe wir nach Gwîndôr zurückkehren werden.

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